news_1
Pressemitteilung, 26. März 2016

THE WALL MUSEUM EAST SIDE GALLERY ERÖFFNET.

Das neue THE WALL MUSEUM EAST SIDE GALLERY wurde heute in Anwesenheit von Zeitzeugen, deren Leben mit dem Mauerbau und -fall eng verbunden ist, der Öffentlichkeit vorgestellt. Ab Samstag, den 26. März 2016, 10 Uhr, können Besucher die Geschichte der Mauer und des Mauerfalls in einer modernen Multimedia-Ausstellung im früheren Mühlenspeicher zwischen der East Side Gallery und der Oberbaumbrücke erleben. Tickets für das Museum gibt es vor Ort oder online unter www.thewallmuseum.com.

Michail Gorbatschow hatte die Museumsgründung anläßlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls am Checkpoint Charlie im November 2014 in Berlin angekündigt. Ein Teil des Museums ist ihm gewidmet, da er als Auslöser und Garant des Wandels und einer friedlichen Revolution gilt.

Zu den Beratern der Ausstellung zählten u.a. der Historiker Dr. Guido Knopp, die Dokumentarfilmer Jürgen und Daniel Ast sowie der verstorbene Doyen der deutschen Geschichtsforschung, Dr. Gerhard Ritter. Die Ausstellung arbeitet mit historischen Quellen sowie Interviews, Installationen, Multimediaprojektionen und Filmen. Die Texte und Erzählungen sind in Deutsch und Englisch zu lesen bzw. zu hören.

Das zum Thema und in der Umsetzung einzigartige Museum spannt in 13 thematisch gestalteten Räumen einen audiovisuellen Bogen von der deutsche Teilung und dem Bau der Berliner Mauer bis zu den historischen Ereignissen, die den Mauerfall bewirkten. Vor allem die entscheidenden Ereignisse in den spannenden Wochen im Sommer und Herbst 1989 werden multimedial mit über 100 Screens, Filmen und Projektoren in Szene gesetzt.

Die Ausstellung zeigt vom Ende des 2. Weltkrieges über die deutsche Teilung und Ulbrichts Aussage „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“, warum und wie die Mauer gebaut wurde – und wie Deutsche in Ost und West darunter litten; teils veranschaulicht mit Betonmischern, Stacheldraht und den ersten Mauerelementen. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten zählen Zeitzeugeninterviews, u.a. von Anwohnern der Bernauer Straße (die in wenigen Stunden ihre Wohnungen räumen mußten) bis hin zu Menschen, die im Grenzregime gedient hatten, Anwohner vertrieben und auf Mauerflüchtlinge schossen.

Das Museum erzählt, wie die Mauer das Leben der Menschen veränderte.

Neben den historischen Fakten und der spannenden Darstellung der Ereignisse werden auch Blicke hinter die Kulissen und auf das menschliche Handeln geworfen, beispielsweise auf die rege Pendeldiplomatie des damaligen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher im Sommer 1989, der nach seinem zweiten Herzinfarkt aus dem Dienst genommen werden sollte, dann aber entgegen ärztlicher Anweisung mit Bundeskanzler Helmut Kohl in Geheimgesprächen mit Ungarns Ministerpräsident Miklos Nemeth und Außenminister Horn auf Schloss Gymnich die Öffnung des „Eisernen Vorhangs“ in Ungarn am 11. September 1989 einleitete.

Welche Bedeutung die menschliche Komponente in der Weltpolitik hat, verdeutlicht in der Ausstellung ein Defibrillator, den Genscher und seine Ärzte stets mit sich führten, falls sein Herz wieder stehen bleiben würde. Oder auch wie der deutsche Außenminister die Befreiung der Prager Botschaftsflüchtlinge anläßlich der UNO-Generalversammlung durchsetzte und dabei einen New Yorker Streifenwagen kaperte, weil sein Fahrdienst nicht vor Ort war: Dies war die letzte Chance, seinen russischen Amtskollegen Schewardnadse zu erreichen und nach zweimaliger Ablehnung ihn doch noch zu überzeugen, grünes Licht in Prag zu geben.

Wie Genscher seine Gesprächspartner zur Lösung mit „den Zügen in die Freiheit“ sowie einem emotionalen Hinweis auf die notleidenden Kleinkinder in der Prager Botschaft überredete, während die Prager Botschaft kurz vor dem Kollaps stand, ist gleichermaßen ein Politthriller wie ein Meisterstück der Diplomatie, welches man in der Ausstellung spannend miterleben kann.

Das Museum gedenkt auch der Toten, die zwischen dem 13. August 1961 und dem 9. November 1989 an der Mauer starben. Auf einem Balkon mit Blick auf die Spree wird über das Schicksal der Kinder berichtet, die an dieser Stelle, unweit der heutigen „East Side Gallery“, im Fluss ertranken.

Die Initiatoren haben in den vergangenen Jahren mit vielen wichtigen Zeitzeugen gesprochen – neben Bürgern, Künstlern und Bürgerrechtlern auch mit politischen Entscheidungsträgern wie Hans-Dietrich Genscher, James Baker, Miklos Nemeth und Michail Gorbatschow. Sie trafen auch auf Helmut Kohl, der als „Kanzler der Einheit“ ebenso gewürdigt wird wie Willy Brandt als „Kanzler der Herzen“, der die Entspannungspolitik und Aussöhnung mit Deutschlands Nachbarn maßgeblich befördert hatte.

Die Geschichte der Kunst an der East Side Gallery wird ebenso gewürdigt wie die künstlerische Auseinandersetzung mit der Mauer, etwa durch Künstler wie Keith Haring, Roger Waters’ „The Wall“, Scorpions „Wind of Change“ oder einem Mauererlebnis von Leonardo DiCaprio, der die Mauer 1988 mit seiner deutschen Großmutter besuchte – und in einem humorvoll inszenierten Foto versuchte, die Mauer umzustoßen.

Als exklusiver Technologiepartner unterstützt ViewSonic die umfangreiche Ausstellung an der East Side Gallery mit über 100 Projektoren, interaktiven Displays, WiFi-Videoübertragung sowie groß- und kleinformatigen Displays.

Der Mauerfall war die größte, friedliche Revolution der Weltgeschichte. In den kommenden Jahren wird sich das Museum intensiv mit der Geschichte des Mauerfalls auseinandersetzen; ein kleiner Teil der Eintrittsgelder kommt daher der historischen Forschung zugute.